Pokerstrategie für EinsteigerRatgeber
Position beim Poker
Die Position ist dein Platz in der Reihenfolge, in der am Tisch gehandelt wird. Wer spät handelt, sieht vorher, was die anderen tun, und entscheidet mit mehr Information. Deshalb spielen Spieler auf frühen Plätzen meist nur starke Hände und auf dem Button deutlich mehr.

Beim Texas Hold'em sitzt du jede Hand an einem anderen Platz in der Reihenfolge, weil der Dealer-Button nach jeder Hand weiterwandert. Dieser Platz bestimmt, wann du handelst und wie viel du vorher über die anderen weißt. Dieselben zwei Karten können auf einem Platz einen Raise wert sein und auf einem anderen einen Fold.
Wer wann handelt
Der Button markiert, wer in dieser Hand die Geberposition hat. Sein Inhaber bekommt beim Austeilen als Letzter Karten und handelt nach der ersten Setzrunde jeweils als Letzter [1]. Links vom Button setzt der Small Blind, zwei Plätze weiter links der Big Blind [1]. In der ersten Setzrunde beginnt der Spieler links vom Big Blind, der Big Blind handelt in dieser Runde zuletzt und darf auch dann noch erhöhen, wenn vorher alle nur mitgegangen sind [3].
Nach dem Flop dreht sich die Reihenfolge: In allen weiteren Setzrunden beginnt der erste noch aktive Spieler links vom Button [1]. Die Blinds, die vor dem Flop zuletzt dran waren, handeln jetzt zuerst. Der Button bleibt bis zum River der Letzte. Damit dieser Vorteil gerecht verteilt wird, wandert der Button nach jeder Hand im Uhrzeigersinn weiter [1]. Robert's Rules beschreiben daneben den Dead Button, bei dem derselbe Spieler ausnahmsweise zweimal hintereinander zuletzt handeln kann, wenn ein Platz frei wird [1]. Die TDA-Regeln sehen für Turniere den Dead Button vor [2].
Sonderfall zu zweit
Spielen nur noch zwei Spieler, ist der Small Blind zugleich der Button. Er bekommt die letzte Karte, handelt vor dem Flop zuerst und in allen späteren Runden zuletzt [2]. So steht es in den Turnierregeln der Poker Tournament Directors Association. Weil der Button zu zweit in drei von vier Setzrunden zuletzt handelt, erhöhen viele Spieler dort mit einer sehr breiten Auswahl an Händen [4].
Frühe, mittlere und späte Position
Spieler, die in einer Runde zuerst handeln, sitzen in früher Position, die zuletzt handeln, in später Position, dazwischen liegt die mittlere [4]. Wer nach einem Gegner handelt, hat Position auf ihn, wer vor ihm handeln muss, ist "out of position" [4]. An einem vollen Tisch mit neun Spielern ergibt sich daraus diese Reihenfolge:
| Platz | Bezeichnung | Vor dem Flop | Nach dem Flop |
|---|---|---|---|
| links vom Big Blind | Under the Gun (früh) | handelt zuerst | handelt früh |
| die nächsten zwei bis drei Plätze | früh bis mittel | viele Gegner handeln danach | meist früh bis mittel |
| rechts vom Button | Cutoff (spät) | nur noch Button und Blinds danach | handelt vor dem Button |
| Button | Dealer-Position (spät) | nur die Blinds danach | handelt immer zuletzt |
| links vom Button | Small Blind | vorletzter | handelt zuerst |
| zwei links vom Button | Big Blind | handelt zuletzt | handelt früh |
Die Namen Under the Gun für den ersten Platz und Cutoff für den Platz rechts vom Button stammen aus dem Englischen [4]. Die Reihenfolge in der Tabelle folgt aus den Regeln oben. Wie viele Plätze als früh oder mittel gelten, hängt von der Zahl der Spieler ab und ist nicht fest geregelt.
Warum späte Position ein Vorteil ist
Der wichtigste Vorteil der späten Position ist Information: Du siehst, wer gecheckt, gesetzt oder aufgegeben hat, bevor du selbst entscheidest [4]. Ein Check vor dir kann Schwäche zeigen, ein Einsatz und ein Re-Raise vor dir eher Stärke. Wer zuerst handeln muss, entscheidet ohne dieses Wissen.
Robert's Rules of Poker nennen das Recht, als Letzter zu handeln, beim No-Limit und Pot-Limit einen großen Vorteil [1]. Für eine einfache Form des Spiels gibt es dafür sogar einen Beweis. Forscher der University of Alberta haben Heads-up Limit Hold'em, also Limit Hold'em zu zweit, im Jahr 2015 im Wesentlichen gelöst. Ihre Rechnung belegt nach eigener Aussage formal, dass der Dealer in diesem Spiel einen erheblichen Vorteil hat [6].
Ein zweiter Grund ist die Zahl der Gegner hinter dir. Je mehr Spieler noch nach dir handeln, desto größer die Chance, dass einer von ihnen eine bessere Hand hält [5]. Fallen frühe Gegner weg, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass deine Hand die beste ist [4].
Ein Rechenbeispiel
Die englische Wikipedia rechnet das mit König und Bube vor. Hältst du diese Hand Under the Gun an einem Tisch mit zehn Spielern, hält mit etwa 40 Prozent Wahrscheinlichkeit mindestens einer der neun Gegner eine bessere Hand aus Paaren von Bube bis Ass oder Ass mit König, Dame oder Bube oder König mit Dame [4]. Sitzt du mit derselben Hand im Cutoff und alle vor dir haben aufgegeben, bleiben drei Gegner, und die Wahrscheinlichkeit sinkt auf etwa 16 Prozent [4]. Eine eigene Simulation mit 400.000 Verteilungen kommt auf 42,9 und 16,5 Prozent.
Die Blinds: früh nach dem Flop
Die Blinds gelten als die ungünstigsten Plätze: Ihre Inhaber müssen Geld in den Pot zahlen, bevor sie ihre Karten kennen, und handeln nach dem Flop in jeder Runde zuerst [4]. Der Big Blind hat vor dem Flop zwar das letzte Wort, ist aber nach Angaben der Wikipedia auf lange Sicht im Schnitt der Platz mit den größten Verlusten [4].
Der Small Blind hat einen kleinen Rabatt: Er hat schon einen halben Big Blind im Pot und muss für einen Call nur die Hälfte nachzahlen. Die Forscher hinter der Poker-KI Pluribus berichten, dass ihr Programm das bloße Mitgehen vor dem Flop, das Limpen, im Selbstspiel anfangs ausprobiert und nach und nach aus seiner Strategie gestrichen hat [7]. Das deckt sich mit der verbreiteten Ansicht unter menschlichen Spielern, nach der Limpen nur für den Small Blind sinnvoll sein kann [7].
Position und Handauswahl
Aus dem Informationsvorteil folgt die wichtigste Regel für Einsteiger: In früher Position brauchst du stärkere Hände, um zu setzen, zu erhöhen oder mitzugehen, als in später Position [5]. Mit jedem Platz näher am Button wird die Zahl der Hände größer, die du sinnvoll spielen kannst [5]. In später Position kann eine schwächere Hand einen günstigen Call wert sein, die du früh weggeworfen hättest [5].
- Früh: nur die stärksten Starthände. Viele Gegner handeln noch nach dir, und du spielst den Rest der Hand meist ohne Position.
- Mittel: die Hände aus früher Position und einige mehr.
- Spät: deutlich mehr Hände, weil weniger Gegner übrig sind und du nach dem Flop zuletzt handelst.
Die drei Stufen sind eine grobe Richtschnur, die sich aus der Regel oben ergibt. Welche Hände in welcher Position spielbar sind, zeigt die Seite Startkarten: welche Hände du spielen solltest.
Blinds stehlen
Haben alle vor dir aufgegeben und du sitzt im Cutoff oder auf dem Button, reicht oft ein Raise, damit auch die Blinds aufgeben. Das heißt Blinds stehlen [4, 5]. Callen die Blinds doch, spielst du den Rest der Hand mit Position gegen sie [4]. Im Beispiel der Wikipedia hofft der Spieler im Cutoff nach seinem Raise vor allem, dass der Button aufgibt, denn nur dieser hätte in den folgenden Runden Position auf ihn [4].
Straddle: Position gegen Geld
In manchen Runden darf der Spieler links vom Big Blind vor dem Austeilen freiwillig einen doppelten Big Blind setzen, den Straddle. Damit kauft er sich das Recht, in der ersten Setzrunde zuletzt zu handeln [3]. Nach der Einschätzung von pagat.com ist dieser Vorteil aber wohl weniger wert als der blinde Einsatz, der bei schlechten Karten verloren ist [3].
Position in jeder Setzrunde
Nach dem Flop zeigt sich der Vorteil in jeder Runde neu. Wer zuletzt handelt, kann einen Check des Gegners mit einem Einsatz beantworten oder selbst checken und eine Karte gratis sehen. Wer früh handelt, muss vorher festlegen, ob er setzt, und erfährt erst danach, wie der Gegner reagiert. Deshalb ist es ein Unterschied, ob du einen Draw mit oder ohne Position spielst: Mit Position bestimmst du öfter selbst, wie viel die nächste Karte kostet. Wie du den Preis eines Draws mit seiner Trefferchance vergleichst, steht unter Pot Odds und Outs berechnen.
Auch beim Bluffen hilft die späte Position, weil du die Reaktion der anderen schon kennst. Warum ein Bluff gegen einen einzelnen Gegner eher Erfolg hat als gegen mehrere, erklärt Bluffen beim Poker. Die genaue Reihenfolge in allen vier Setzrunden steht unter Setzrunden, Blinds und Aktionen, wer wann den Button bekommt, unter Kartenausgabe und Reihenfolge beim Hold'em.
Die Rechtslage und Hilfe bei Problemen mit dem Spielen um Geld findest du unter Ist Poker Glücksspiel? Die Rechtslage in Deutschland. Andere Kartenspiele, in denen die Sitzreihenfolge eine Rolle spielt, stehen unter Kartenspiele: Regeln im Überblick.
- Robert's Rules of Poker (Fassung für private Runden). Robert Ciaffone, veröffentlicht auf pagat.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Poker TDA Rules 2026, Version 1.1, Regel 36-C. Poker Tournament Directors Association. Stand 21.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Poker Betting and Showdown. John McLeod, pagat.com. Stand 24.04.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Position (poker). Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Poker strategy. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Heads-up limit hold'em poker is solved (Bowling, Burch, Johanson, Tammelin), Science 347, 145 bis 149, Abstract bei PubMed. National Library of Medicine. Stand 09.01.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Superhuman AI for multiplayer poker (Brown, Sandholm), Science 365, 885 bis 890, Autorenfassung. National Science Foundation, Public Access Repository. Stand 2019. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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