PokervariantenRatgeber

Seven Card Stud: Regeln von der dritten bis zur siebten Straße

Beim Seven Card Stud bekommt jeder Spieler sieben eigene Karten, drei verdeckt und vier offen, und nach jeder neuen Karte gibt es eine Setzrunde, insgesamt fünf. Gemeinschaftskarten gibt es nicht. Am Ende bildet jeder aus seinen sieben Karten die beste Hand mit fünf Karten.

Vier Reihen verdeckter Karten liegen nebeneinander auf grünem Filz, vor jeder Reihe ein kleiner Chipstapel
Bild: KI-generiert

Seven Card Stud ist eine der beliebtesten Formen des Pokers und dient in Heimrunden als Grundlage für viele Varianten [1]. Im 20. Jahrhundert überholte es das ältere Five Card Stud, das aus dem 19. Jahrhundert stammt [2]. Anders als beim Texas Hold'em liegen keine Gemeinschaftskarten in der Mitte. Jeder Spieler bekommt sieben eigene Karten, von denen die Mitspieler vier sehen [1]. Wer Hold'em kennt, findet den Vergleich unter Texas Hold'em: Regeln Schritt für Schritt.

Spieler, Karten und Grundeinsatz

Gespielt wird mit einem normalen Blatt aus 52 Karten und mit zwei bis acht Spielern. Am besten eignet sich das Spiel für fünf bis sieben Spieler [1]. Bei acht Spielern können die Karten gegen Ende ausgehen [1], denn acht mal sieben sind 56 Karten (eigene Rechnung). Verbrennt der Geber vor jeder Austeilrunde eine Karte, wie es in Kartenräumen üblich ist, kann das schon mit sieben Spielern passieren [1]. Mit fünf verbrannten Karten brauchen sieben Spieler 54 Karten (eigene Rechnung).

Vor dem Austeilen zahlen alle Spieler eine Ante in den Pot [1]. In vielen Runden kommt in der ersten Setzrunde ein Pflichteinsatz dazu, das Bring-in [1]. Wer eine Setzrunde beginnt, hängt von den offenen Karten ab [1].

Ablauf von der dritten bis zur siebten Straße

Die Karten werden wie üblich im Uhrzeigersinn einzeln ausgeteilt. Jede Austeilrunde heißt nach der Kartenzahl, die ein Spieler danach hält, "Straße" [1].

StraßeNeue Karte je SpielerKarten danachSetzrunde
Third Streetzwei verdeckt, eine offen3erste
Fourth Streeteine offen4zweite
Fifth Streeteine offen5dritte
Sixth Streeteine offen6vierte
Seventh Street (River)eine verdeckt7fünfte

Wer bis zum Ende dabei ist, hat vier offene und drei verdeckte Karten. Die erste, zweite und siebte Karte heißen auch Hole Cards [1]. Nach der fünften Setzrunde zeigen die verbliebenen Spieler ihre Karten, und wer aus seinen sieben Karten die beste Hand mit fünf Karten bilden kann, gewinnt [1]. Jeder Spieler hat dabei 21 Möglichkeiten, fünf aus sieben Karten zu wählen (eigene Rechnung).

Wenn die Karten nicht reichen

Sitzen acht Spieler am Tisch und ist nach der sechsten Straße niemand ausgestiegen, reicht der Stapel nicht für eine siebte Karte an jeden. Dann legt der Geber eine einzelne Karte offen in die Mitte, die für alle als siebte Karte zählt [1]. Robert's Rules of Poker, das Regelwerk von Robert Ciaffone, sehen vorher einen anderen Weg vor: Die Restkarten werden mit den verbrannten Karten gemischt, und erst wenn auch das nicht für alle reicht, kommt die gemeinsame Karte [3]. Karten von Spielern, die ausgestiegen sind, kommen nie zurück in den Stapel [1].

Wer die Setzrunden beginnt

In der ersten Setzrunde muss nach der heute in amerikanischen Kartenräumen üblichen Regel der Spieler mit der niedrigsten offenen Karte das Bring-in setzen [1]. Haben zwei Spieler dieselbe niedrigste Karte, entscheidet die Farbe. Robert's Rules ordnen die Farben von oben nach unten Pik, Herz, Karo, Kreuz [3]. Über den Gewinn eines Pots entscheiden Farben nie, sie lösen nur Gleichstände zwischen einzelnen Karten auf [3].

Ab der vierten Straße beginnt der Spieler, dessen offene Karten die beste Pokerhand zeigen [1, 3]. Dafür zählen nur Paare, Drillinge, zwei Paare und Vierlinge, unvollständige Straßen und Flushes nicht. Mit drei offenen Karten schlägt also 3-3-3 die Karten 7-7-8, und diese schlagen A-K-Q [1]. Bei Gleichstand beginnt nach Robert's Rules der Spieler, der zuerst Karten bekommen hat [3]. Pagat nennt als traditionelle Lösung den Vergleich der Farbe der höchsten Karte [1].

Das Bring-in

Das Bring-in ist ein Pflichteinsatz, der kleiner als der kleine Einsatz ist, aber größer als die Ante [1]. Der Spieler mit dem Bring-in darf statt des Mindestbetrags auch gleich einen vollen kleinen Einsatz bringen [1, 3]. Setzt er nur das Bring-in, können die Spieler nach ihm mitgehen, aussteigen oder auf den vollen kleinen Einsatz ergänzen. Dieses Ergänzen heißt "completing" und zählt nicht als Erhöhung [1, 3]. Erst wenn jemand ergänzt hat, dürfen die folgenden Spieler erhöhen [1].

Ein Beispiel nach Robert's Rules: In einem Spiel mit Limits von 15 und 30 eröffnet die niedrigste Karte mit 5. Ergänzt der nächste Spieler auf 15, sind danach noch drei Erhöhungen erlaubt, wenn am Tisch höchstens drei Erhöhungen gelten [3].

Limits und Einsatzhöhen

Seven Card Stud wird oft mit festen Limits gespielt, also mit einem kleinen und einem großen Einsatz, etwa 5 und 10 [1]. Die Ante liegt dann deutlich unter dem kleinen Einsatz, das Bring-in dazwischen [1]. In jeder Setzrunde sind ein Einsatz und höchstens drei Erhöhungen erlaubt, wenn zu Beginn der Runde mehr als zwei Spieler aktiv waren [1].

SetzrundeEinsatzgröße nach Robert's Rules
Third Streetklein (Bring-in oder voller kleiner Einsatz)
Fourth Streetklein, mit offenem Paar wahlweise groß
Fifth, Sixth und Seventh Streetgroß

Zeigt ein Spieler auf der vierten Straße ein offenes Paar, darf jeder Spieler den kleinen oder den großen Einsatz wählen. Nach Robert's Rules gilt das nur auf der vierten Straße, nach pagat ab der vierten Straße bei jedem offenen Paar [1, 3]. In einem Spiel mit 5 und 10 darf der Spieler mit dem Paar also 5 oder 10 setzen [3]. Setzt er 5, kann der Nächste mitgehen, um 5 erhöhen oder um 10 erhöhen; nach einer Erhöhung um 10 müssen alle weiteren Erhöhungen 10 betragen [3]. Dass ab der fünften Straße nur große Einsätze gelten, ist laut pagat die übliche Regel in Kartenräumen, in Heimrunden aber nicht [1]. Grundlagen zu Limits stehen unter Setzrunden, Blinds und Aktionen.

Showdown und Regeln am Tisch

Beim Showdown müssen alle sieben Karten offen auf den Tisch, damit eine Hand gewertet wird [4]. Gab es in der letzten Runde keinen Einsatz, zeigt zuerst, wer in dieser Runde als Erster hätte handeln müssen, beim Stud also die beste offene Hand [4]. Eine Hand mit mehr als sieben Karten ist tot. Fehlen einem Spieler Karten, ist die Hand ebenfalls tot, nur bei fehlender siebter Karte kann sie gültig bleiben [3].

  • Wer bei einem offenen Einsatz seine offenen Karten aufnimmt, ohne mitzugehen, hat aufgegeben [3, 4].
  • Der Geber sagt mögliche Straßen und Flushes nicht an [3].
  • Wer mitgeht, obwohl ihn die offenen Karten eines Gegners schon schlagen, bekommt seinen Einsatz nicht zurück [3].
  • Lässt sich ein Pot nicht glatt teilen, geht der übrige Chip beim Stud an die höchste Karte nach Farbe. Nach den Turnierregeln der Tournament Directors Association zählt dafür nur die gewertete Hand aus fünf Karten [4], nach Robert's Rules zählen alle Karten [3].

Was die offenen Karten verraten

Weil vier Karten jedes Spielers offen liegen, siehst du auch, welche Karten dir fehlen. Brauchst du für einen Flush noch eine Herzkarte und liegen bei den Gegnern schon mehrere Herzkarten offen, sind diese Karten für dich verloren. Die ersten drei Karten bilden in 16,94 Prozent der Fälle genau ein Paar und in 0,235 Prozent einen Drilling, also etwa einmal in 425 Händen. Drei Karten einer Farbe gibt es in 5,18 Prozent der Fälle (eigene Rechnungen). Wie sich daraus Gewinnchancen ableiten, erklärt Wahrscheinlichkeiten beim Poker.

Varianten des Seven Card Stud

Seven Card Stud eignet sich gut als High-Low-Spiel, bei dem sich die höchste und die niedrigste Hand den Pot teilen [1]. Jeder Spieler darf dafür zwei verschiedene Auswahlen aus seinen sieben Karten nutzen [1, 3]. Robert's Rules schreiben für alle High-Low-Spiele die Bedingung "8 or better" vor, sofern nichts anderes angekündigt ist: Eine niedrige Hand braucht fünf verschiedene Werte von acht abwärts, das Ass zählt hoch und niedrig [1, 3]. Hat niemand eine solche Hand, gewinnt die höchste Hand den ganzen Pot [1, 3]. Der übrige Chip geht an die hohe Hand [1].

Razz ist Seven Card Stud nur um die niedrigste Hand, gewertet nach der Rangfolge Ace-to-Five. Das Ass ist durchgehend niedrig, der König hoch. In der ersten Runde muss die höchste offene Karte das Bring-in setzen, ab der vierten Straße beginnt die niedrigste offene Hand [1]. In Heimrunden spielen viele Seven Card Stud mit wilden Karten, zum Beispiel mit allen Zweien [1]. Weitere Spiele der Stud-Familie und den Vergleich mit Omaha und Draw-Spielen findest du unter Pokervarianten.

Der Showdown mit Side Pots läuft wie bei jeder Pokervariante ab, dazu mehr unter Showdown, Split Pot und Side Pot. Andere Kartenspiele mit festen Regeln findest du auf spiele.domain-root.de unter Kartenspiele. Wann Poker um Geld als Glücksspiel gilt, erklärt Ist Poker Glücksspiel? Die Rechtslage in Deutschland.

  1. Seven Card Stud. John McLeod, pagat.com. Stand 07.07.2022. abgerufen am 29.10.2026
  2. Poker variants: Stud Poker. John McLeod, pagat.com. Stand 17.02.2023. abgerufen am 29.10.2026
  3. Robert's Rules of Poker (Fassung für private Runden). Robert Ciaffone, veröffentlicht auf pagat.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Poker TDA Rules 2026, Version 1.1. Poker Tournament Directors Association. Stand 21.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde check-dein-spiel.de: Informationen und Beratung zu Glücksspielsucht. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.