PokervariantenRatgeber

Five Card Draw: Regeln für das klassische Pokerspiel mit Kartentausch

Beim Five Card Draw bekommt jeder Spieler fünf verdeckte Karten, es gibt eine Setzrunde, danach darf jeder einmal Karten abwerfen und durch neue ersetzen. Nach einer zweiten Setzrunde gewinnt im Showdown die beste Hand. In der Grundform tauscht man null bis drei Karten, bei Jacks or Better braucht man zum Eröffnen mindestens ein Paar Buben.

Eine Hand hält fünf verdeckte Spielkarten über einem grünen Filztisch, daneben ein kleiner Chipstapel
Bild: KI-generiert

Five Card Draw ist eine der ältesten Formen des Pokers und war international mit Abstand die bekannteste, bis Texas Hold'em am Ende des 20. Jahrhunderts plötzlich populär wurde [1]. Von der Mitte des 19. bis ins späte 20. Jahrhundert galt es über 100 Jahre lang als das klassische Pokerspiel, und viele Spieler kannten nur diese Form [2]. Offene Karten gibt es nicht: Jeder hält fünf verdeckte Karten und darf einmal einen Teil davon austauschen [1]. Gewertet wird nach der üblichen Rangfolge, die unter Pokerhände: Rangfolge von High Card bis Royal Flush steht.

Spieler, Karten und Einsatz

Gespielt wird mit einem normalen Blatt aus 52 Karten und mit zwei bis sechs Spielern. Nach John McLeod, dem Betreiber der Kartenspielseite pagat.com, ergeben sechs Spieler wahrscheinlich das beste Spiel [1]. Sieben oder acht Personen können mitspielen, dann reichen die Karten beim Tausch aber unter Umständen nicht aus [1]. Der Grund ist einfach: Jeder Spieler kann bis zu acht Karten verbrauchen, fünf zu Beginn und drei beim Tausch [1]. Bei sechs Spielern sind das höchstens 48 von 52 Karten, bei sieben Spielern schon 56 (eigene Rechnung).

Vor dem Austeilen zahlt jeder Spieler einen vereinbarten Grundeinsatz, die Ante, in den Pot. Meist entspricht die Ante dem kleinsten erlaubten Einsatz [1]. Statt der Ante oder zusätzlich spielen manche Runden mit Blinds: Der Spieler links vom Geber muss dann unabhängig von seinen Karten einen festen Betrag setzen [1].

Ablauf einer Hand

Eine Hand hat zwei Setzrunden, eine vor und eine nach dem Tausch [3]. Die folgende Übersicht fasst die Schritte nach pagat zusammen [1].

  1. Mischen und Abheben, dann teilt der Geber im Uhrzeigersinn einzeln verdeckte Karten aus, bis jeder fünf Karten hat.
  2. Erste Setzrunde, begonnen vom Spieler links vom Geber.
  3. Tausch: Jeder aktive Spieler wirft verdeckt Karten ab und bekommt dieselbe Zahl neuer Karten.
  4. Zweite Setzrunde, begonnen vom Spieler, der in der ersten Runde eröffnet hat.
  5. Showdown, falls noch mindestens zwei Spieler im Spiel sind.

Schieben in der ersten Setzrunde alle, werden die Karten eingesammelt. Der Pot bleibt liegen, das Geben wandert nach links, und alle zahlen eine weitere Ante [1]. Bei festen Limits ist die Zahl der Erhöhungen nach dem Eröffnungseinsatz meist auf vier begrenzt [1]. Robert's Rules erlauben in Pots mit mehreren Spielern ebenfalls einen Einsatz und vier Erhöhungen, Check-Raise ist vor und nach dem Tausch erlaubt [3]. Wie Check, Call und Raise funktionieren, erklärt Setzrunden, Blinds und Aktionen.

Die zweite Setzrunde

Nach dem Tausch beginnt der Spieler, der eröffnet hat. Ist er ausgestiegen, geht es mit dem nächsten Spieler im Uhrzeigersinn weiter [3]. Die Grenzen für Einsätze liegen in dieser Runde meist höher als vorher, typischerweise doppelt so hoch [1]. Robert's Rules legen das Doppelte fest [3]. Bei festen Limits von 2 und 4 Einheiten sind also alle Einsätze und Erhöhungen vor dem Tausch 2 Einheiten groß und danach 4 [4].

Der Kartentausch

Getauscht wird in der Reihenfolge ab dem ersten aktiven Spieler links vom Geber. Jeder sagt an, wie viele Karten er tauschen will, legt genau so viele verdeckt ab und bekommt vom Geber ebenso viele verdeckt ausgeteilt [1]. Der Geber wartet, bis die angesagte Zahl abgelegt ist [1]. Wer keine Karte tauscht und seine Hand behält, spielt "pat" [1].

In der Grundform nach pagat darf jeder null bis drei Karten tauschen [1]. Manche Runden erlauben vier Karten, wenn die fünfte ein Ass ist, andere jeden Tausch von vier oder fünf Karten [1]. Robert's Rules lassen bis zu vier Karten am Stück zu; wer fünf neue Karten will, bekommt vier sofort und die fünfte erst, wenn alle anderen getauscht haben [3]. Laut pagat lohnt es sich aber selten oder nie, mehr als drei Karten zu tauschen [1].

Bis die zweite Setzrunde beginnt, darf jeder Spieler fragen, wie viele Karten ein anderer getauscht hat, und hat Anspruch auf eine ehrliche Antwort [1]. Nach Robert's Rules muss auch der Geber antworten. Sobald nach dem Tausch gesetzt wurde, entfällt diese Pflicht, und der Geber darf nicht mehr antworten [3]. Wer in Robert's Rules an der Reihe auf den Tisch klopft, schiebt oder zeigt an, dass er nicht tauschen will [3].

Chancen beim Ziehen

Wie viele Karten du tauschst, hängt davon ab, welche Hand du behalten willst. Die Tabelle zeigt, wie oft sich eine Hand verbessert, wenn die neuen Karten aus den 47 Karten kommen, die du nicht siehst. Es ist eine eigene, vollständige Auszählung; die abgeworfenen Karten der Gegner sind nicht berücksichtigt. Bei Flush und Straße zählt nur die Chance auf genau diese Hand, ein zufällig entstehendes Paar ist nicht mitgerechnet.

Du behältstTauschVerbesserungdavon am häufigsten
ein Paar3 Karten28,71 %Zwei Paare 15,99 %, Drilling 11,43 %
ein Paar und ein Ass2 Karten25,90 %Zwei Paare 17,21 %, Drilling 7,77 %
zwei Paare1 Karte8,51 %Full House
einen Drilling2 Karten10,36 %Full House 6,11 %, Vierling 4,26 %
vier Karten einer Farbe1 Karte19,15 %Flush (9 von 47)
vier Karten in Folge, offen an beiden Enden1 Karte17,02 %Straße (8 von 47)
vier Karten mit Lücke in der Mitte1 Karte8,51 %Straße (4 von 47)

Wer zu einem Paar ein Ass behält, verbessert sich etwas seltener zu einem Drilling als mit drei neuen Karten. Dafür sehen die Gegner nur einen Tausch von zwei Karten, und das Ass entscheidet bei gleichen Paaren (eigene Rechnung). Ein Paar zu behalten und drei Karten zu ziehen, bringt in rund 71 von 100 Fällen keine Verbesserung (eigene Rechnung). Wie du solche Werte mit dem Pot vergleichst, steht unter Pot Odds und Outs berechnen.

Showdown und Wertung

Ist der Pot nach der zweiten Setzrunde nicht schon gewonnen, zeigen die Spieler ihre Karten im Uhrzeigersinn. Zuerst zeigt, wer in der zweiten Runde als Letzter gesetzt oder erhöht hat. Haben alle geschoben, zeigt zuerst, wer in der ersten Runde eröffnet hat [1]. Nach Robert's Rules ist eine Hand mit mehr oder weniger als fünf Karten nach dem Tausch ungültig [3]. Was beim Teilen eines Pots gilt, erklärt Showdown, Split Pot und Side Pot.

Weil es keine offenen Karten gibt, siehst du von den Gegnern nur ihr Setzverhalten und die Zahl der getauschten Karten. Wie oft du vor dem Tausch welche Hand hältst, zeigt die folgende Tabelle. Sie zählt alle 2.598.960 möglichen Hände mit fünf Karten aus (eigene Rechnung).

HandAnzahlAnteil
Straight Flush (mit Royal Flush)400,0015 %
Vierling6240,0240 %
Full House3.7440,1441 %
Flush5.1080,1965 %
Straße10.2000,3925 %
Drilling54.9122,1128 %
Zwei Paare123.5524,7539 %
Ein Paar1.098.24042,2569 %
Höchste Karte1.302.54050,1177 %

Ungefähr jede zweite Hand hat also vor dem Tausch nicht einmal ein Paar (eigene Rechnung). Mehr Wahrscheinlichkeiten, auch für sieben Karten, findest du unter Wahrscheinlichkeiten beim Poker.

Jacks or Better und andere Spielarten

Bei Jacks or Better, auch Jack Pots genannt, darf in der ersten Setzrunde nur eröffnen, wer mindestens ein Paar Buben hat. Laut pagat ist das wahrscheinlich die beliebteste Form von Five Card Draw [1]. Es sollten mindestens vier Spieler mitmachen, sonst werden die meisten Hände ohne Spiel eingeworfen [1]. Eine Hand mit einem Paar Buben oder besser bekommst du in 20,63 Prozent der Fälle (eigene Rechnung). Zum Eröffnen reicht jede Hand, die ein Paar Zehnen schlägt, also auch zwei kleine Paare [1]. Ist die Runde einmal eröffnet, dürfen alle anderen unabhängig von ihren Karten mitgehen oder erhöhen [1].

Gewinnt der Eröffner den Pot, muss er so viel von seiner Hand zeigen, dass die Eröffnung belegt ist. Das gilt auch, wenn alle anderen ausgestiegen sind. Kann er das nicht, ist seine Hand tot [1]. Wirft er beim Tausch eine Karte ab, die zur Eröffnung gehörte, etwa eine Dame aus einem Paar Damen für einen Flush, muss er das ansagen und die Karte getrennt ablegen [1]. Dieses "Splitting Openers" erlauben auch Robert's Rules, die abgelegten Karten kommen dort unter einen Chip und werden nach der Hand gezeigt [3]. Eröffnet niemand, wird neu gegeben; manche Runden heben die Mindesthand dann schrittweise auf Damen, Könige und Asse an [1].

Varianten mit Joker und wilden Karten

  • Trips to Win: Wie Jacks or Better, aber gewinnen kann nur, wer mindestens einen Drilling hat. Das schränkt Bluffs weiter ein [1].
  • Mit Bug: Ein Joker kommt dazu, das Blatt hat 53 Karten. Der Joker zählt nur als Ass oder als fehlende Karte für Straße oder Flush. Die beste Hand sind fünf Asse, sie schlägt den Straight Flush [1, 3].
  • Deuces Wild: Alle vier Zweien sind wilde Karten, die höchste Hand ist der Fünfling [1].
  • Zwei Tauschrunden: Erst bis zu drei Karten, dann eine Setzrunde, dann noch einmal eine oder zwei Karten [1].

Einen Überblick über die Familien der Pokervarianten gibt Pokervarianten.

Five Card Draw am Küchentisch

Five Card Draw braucht nur ein Kartenspiel und Chips und kommt ohne Gemeinschaftskarten aus. Die Grundform ohne Bedingungen zum Eröffnen oder Gewinnen heißt manchmal California Draw oder Guts [1]. Weil sie so frei ist, lässt sie nach pagat viel Raum zum Bluffen [1]. Wann ein Bluff Sinn hat, beschreibt Bluffen beim Poker. Weitere Spiele für einen Kartenabend findest du auf spiele.domain-root.de unter Kartenspiele. Wann Poker als Glücksspiel gilt, erklärt Ist Poker Glücksspiel? Die Rechtslage in Deutschland.

  1. Five Card Draw. John McLeod, pagat.com. Stand 26.08.2025. abgerufen am 29.10.2026
  2. Poker variants: Draw Poker. John McLeod, pagat.com. Stand 03.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
  3. Robert's Rules of Poker (Fassung für private Runden). Robert Ciaffone, veröffentlicht auf pagat.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Poker Betting and Showdown. John McLeod, pagat.com. Stand 24.04.2023. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde check-dein-spiel.de: Informationen und Beratung zu Glücksspielsucht. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.