Pokerstrategie für EinsteigerRatgeber
Texas Hold'em Tipps für Anfänger
Die wichtigsten Tipps für Anfänger bei Texas Hold'em: weniger und dafür stärkere Hände spielen, die Position am Tisch beachten, eher setzen als nur mitgehen und vor jedem Call den Preis mit der Gewinnchance vergleichen. Dazu gehört, Gegner zu beobachten, selten zu bluffen und nach Verlusten eine Pause einzulegen.

Die Regeln von Texas Hold'em sind schnell gelernt. Schwieriger ist es, in jeder Hand eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Anfänger spielen laut John McLeod meist zu viele Hände und gehen zu oft nur mit [2].
1. Regeln und Rangfolge sicher beherrschen
Wer am Tisch noch überlegen muss, ob ein Flush eine Straße schlägt, hat keinen Kopf für Strategie. Beim Showdown wertet jeder Spieler die besten fünf Karten aus seinen zwei verdeckten Karten und den fünf Gemeinschaftskarten, und dabei darf er beide, eine oder keine seiner eigenen Karten nutzen [1]. Die Rangfolge steht unter Pokerhände: Rangfolge von High Card bis Royal Flush, den Ablauf einer Hand erklärt Texas Hold'em: Regeln Schritt für Schritt.
2. Weniger Hände spielen
Anfänger spielen meist zu locker und zu passiv. Sie gehen mit zu vielen Händen mit und hoffen, dass mittelmäßige Karten am Ende doch gewinnen oder dass die anderen bluffen [2]. Spieler, die viele Hände spielen und selten aufgeben, nennt man locker, solche, die oft aufgeben, eng [3]. Für den Anfang lohnt sich der enge Stil.
Besonders vorsichtig solltest du sein, wenn vor dir schon jemand eröffnet oder erhöht hat. Dann brauchst du eine bessere Hand, als du selbst zum Eröffnen gebraucht hättest [3]. Wer eröffnet, kann sofort gewinnen, wenn alle aufgeben, wer nur mitgeht, gewinnt nur mit der besseren Hand [3].
Aus 52 Karten lassen sich 169 unterschiedliche Starthände bilden, und nur ein kleiner Teil davon ist stark [4]. Welche das sind und wie sie sich nach Position unterscheiden, steht ausführlich unter Startkarten: welche Hände du spielen solltest.
3. Die Position nutzen
Wer zuerst handeln muss, entscheidet mit wenig Wissen über die anderen. Wer zuletzt handelt, kennt die Aktionen der Gegner schon und kann deshalb mutiger spielen [2]. Daraus folgt eine einfache Regel: In früher Position brauchst du stärkere Hände zum Mitgehen oder Erhöhen als in später Position [3]. Sitzen noch fünf Gegner hinter dir, ist die Chance größer, dass einer von ihnen eine bessere Hand hat, als wenn nur einer folgt [3]. Die Plätze im Einzelnen erklärt Position beim Poker.
4. Lieber setzen als nur mitgehen
Ein Raise hat gegenüber dem Call einen zusätzlichen Weg zu gewinnen: Die Gegner können aufgeben [3]. Setzen und Erhöhen gilt deshalb allgemein als stärker als Checken und Mitgehen, weil die Einsätze Bluffwert haben und den Gegnern mehr Gelegenheit zu Fehlern geben [3]. Wer eine gute Hand hat, bringt mit einem Raise mehr Chips in den Pot und drängt Gegner mit unfertigen Händen hinaus, die sonst noch treffen könnten [3]. Ein Raise kann auch Informationen bringen: Geht der Gegner mit oder erhöht er erneut, weißt du mehr über seine Hand [3].
Aggressiv spielen heißt setzen und erhöhen, passiv spielen heißt checken und mitgehen [3].
5. Den Preis eines Calls prüfen
Pot Odds sind das Verhältnis zwischen der Größe des Pots und dem Einsatz, den du zum Mitgehen zahlen musst [3]. Ein Beispiel: Musst du 10 Chips zahlen, um einen Pot von 40 Chips zu gewinnen, stehen die Pot Odds bei 4 zu 1 [3]. Damit sich der Call auf Dauer lohnt, muss deine Gewinnchance besser sein als diese Pot Odds. Liegt sie genau bei 4 zu 1, also bei 20 Prozent, spielst du auf lange Sicht ohne Gewinn und ohne Verlust [3].
Um die eigene Chance zu schätzen, zählst du die Outs, also die Karten, die deine Hand zur wahrscheinlich besten machen. Eine Faustregel multipliziert die Zahl der Outs nach dem Flop mit 4 und nach dem Turn mit 2 und erhält so ungefähr die Trefferchance in Prozent [5]. Mit acht Outs für eine offene Straße sind das nach dem Flop etwa 32 Prozent bis zum River [5]. Neben den Pot Odds gibt es die Implied Odds. Sie rechnen mit der erwarteten Größe des Pots am Ende der Hand, also auch mit Einsätzen, die erst noch kommen [3]. Wie du mit beidem rechnest, erklärt Pot Odds und Outs berechnen.
6. Die Gegner einschätzen
Gute Strategie hängt beim Poker mehr als bei fast jedem anderen Kartenspiel davon ab, wie die Gegner spielen [2]. Die übliche Einteilung unterscheidet eng und locker sowie passiv und aggressiv. Passive Spieler gehen meist nur mit oder geben auf und überlassen das Erhöhen anderen, aggressive setzen und erhöhen eher, wenn sie überhaupt in der Hand bleiben [2].
Achte auch darauf, wie sich ein Spieler über viele Hände verhält. Hat ein Gegner lange sehr wenige Hände gespielt und geht dann plötzlich mit, hält er vermutlich bessere Karten als der Durchschnitt [3]. Gegen lockere Gegner, die selten aufgeben, darfst du mit fertigen Händen auch dann weiterspielen, wenn sie nur mittelstark sind, weil diese Gegner selbst oft schwächere Hände halten [3]. Umgekehrt beobachten die anderen auch dich. Wie sie dein Spiel wahrnehmen, nennt man dein Spielbild, und wer gelegentlich anders spielt als gewohnt, kann Gegner zu Fehlern verleiten [3]. Was Körpersprache und Verhalten verraten können, steht unter Tells und Tilt: Psychologie am Pokertisch.
7. Sparsam bluffen
Ein Bluff ist ein kräftiger Einsatz mit einer schwachen Hand, mit dem du Gegner mit besseren Karten zum Aufgeben bringen willst [3]. Gegen Anfänger, die zu viele Hände spielen, lohnt sich das selten. Bluffen wird erst gegen engere Spieler sinnvoll, die bereitwillig aufgeben [2]. Gegen lockere Gegner sind Bluffs und Semi-Bluffs weniger wirksam, weil diese seltener aussteigen [3]. Wann sich ein Bluff rechnet, erklärt Bluffen beim Poker.
8. Nach Verlusten ruhig bleiben
Tilt nennen Pokerspieler den Zustand, in dem Frust oder Ärger zu schlechteren Entscheidungen führt, meist zu übertrieben aggressivem Spiel [6]. Häufigster Auslöser ist ein Verlust, etwa ein Bad Beat, bei dem du mit der besseren Hand viele Chips in den Pot bringst und trotzdem verlierst [6]. Ein solcher Ausgang entsteht durch Streuung, die Entscheidung davor kann trotzdem richtig gewesen sein [6]. Hat der Ärger dich schon im Griff, verlässt du am besten den Tisch, bis er sich gelegt hat [6]. Hilft auch die Pause nicht, ist es Zeit, für diesen Abend aufzuhören [6].
9. Entscheidungen bewerten, nicht Ergebnisse
Ein gewonnener Pot beweist nicht, dass du richtig gespielt hast, und ein verlorener nicht das Gegenteil. Wie groß der Zufall ist, zeigt eine Studie von Gerhard Meyer und Kollegen: Je drei durchschnittliche Spieler und drei Experten spielten 60 Hände Texas Hold'em, insgesamt nahmen 300 Personen teil [7]. Die Kartenverteilung war gezielt gesteuert. Beim Kassenstand am Ende schnitten die Experten nicht besser ab als die Durchschnittsspieler, entscheidend war die Kartenverteilung [7]. Mit schlechten Karten verloren die Experten allerdings weniger [7].
Über einen Abend sagt das Ergebnis also wenig. Notiere stattdessen nach dem Spiel zwei oder drei Hände, bei denen du unsicher warst, und überlege, was du mit dem heutigen Wissen anders machen würdest. Das ist eine eigene Empfehlung der Redaktion.
10. Mit Spielgeld beginnen und Grenzen setzen
Für die ersten Abende brauchst du kein echtes Geld. Chips ohne Geldwert reichen, um Regeln und Abläufe zu üben,. Wie ein Pokerabend mit festen Blinds und Spielgeld aussieht, beschreibt Pokerabend zu Hause organisieren. An öffentlichen Glücksspielen dürfen Minderjährige nicht teilnehmen [8]. Ob und wann Poker rechtlich als Glücksspiel gilt, erklärt Ist Poker Glücksspiel? Die Rechtslage in Deutschland.
Wer um Geld spielt, setzt nur Beträge ein, deren Verlust er sich leisten kann, und versucht nie, einen Verlust, den er sich nicht leisten kann, mit einem glücklichen Gewinn wieder hereinzuholen [2]. Wenn das Spielen zur Belastung wird, hilft das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit mit einer kostenlosen und anonymen Telefonberatung unter 0800 1 37 27 00 [9]. Einen Selbsttest bietet der Glücksspiel-Test auf check-dich-selbst.de.
- Robert's Rules of Poker (Fassung für private Runden). Robert Ciaffone, veröffentlicht auf pagat.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Poker Strategy. John McLeod, pagat.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Poker strategy. Wikipedia (englisch). Stand 26.04.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Texas hold 'em starting hands. Wikipedia (englisch). Stand 01.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Texas hold 'em, Abschnitt Counting outs. Wikipedia (englisch). Stand 15.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Tilt (poker). Wikipedia (englisch). Stand 03.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Is poker a game of skill or chance? A quasi-experimental study (Meyer, von Meduna, Brosowski, Hayer), Journal of Gambling Studies 29, 535 bis 550. PubMed. Stand 09/2013. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021), § 4 Allgemeine Bestimmungen. Bayern.Recht, Bayerische Staatskanzlei. Stand Fassung ab 01.01.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde check-dein-spiel.de: Informationen und Beratung zu Glücksspielsucht. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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