Pokerstrategie für EinsteigerRatgeber

Pot Odds und Outs berechnen

Pot Odds sind das Verhältnis zwischen dem Pot und dem Betrag, den du für einen Call zahlen musst. Du rechnest sie in Prozent um, indem du den Call durch die Summe aus Pot und Call teilst. Ist deine Chance, mit deinen Outs die beste Hand zu bekommen, höher als dieser Wert, bringt der Call auf lange Sicht mehr ein, als er kostet.

Zwei verdeckte Karten neben einem kleinen Haufen bunter Chips in der Mitte eines grünen Filztisches
Bild: KI-generiert

Du hast nach dem Flop vier Herz und wartest auf das fünfte, dein Gegner setzt. Ob sich der Call lohnt, hängt an zwei Zahlen: wie viele Karten im Stapel dir helfen und wie viel Geld im Pot liegt im Vergleich zu dem, was du einzahlen musst. Pot Odds verbinden beide Werte. Mit etwas Übung rechnest du sie am Tisch im Kopf.

Was Pot Odds aussagen

Pot Odds sind das Verhältnis zwischen der aktuellen Größe des Pots und den Kosten eines Calls [1]. Liegen 30 Chips im Pot und du musst 10 bezahlen, stehen die Pot Odds bei 30 zu 10, gekürzt 3 zu 1 [1]. Zum Pot zählt dabei alles, was schon drin ist, auch der Einsatz des Gegners, den du gerade callen sollst.

Eine Hand schiebt einen kleinen Chipstapel nach vorn, daneben liegt ein großer Haufen Chips auf grünem Filz
Bild: KI-generiert

Für den Vergleich mit einer Gewinnchance brauchst du einen Prozentwert. Dafür teilst du den Call durch die Summe aus Pot und Call. Bei 3 zu 1 ergibt das 1 geteilt durch 4, also 25 Prozent [1]. Diese 25 Prozent sind die Gewinnchance, ab der sich der Call auf Dauer trägt. Liegt die Chance genau auf diesem Wert, gleichen sich Gewinne und Verluste im Schnitt aus, bei Pot Odds von 4 zu 1 also mit 20 Prozent Gewinnchance [2].

Pot vor dem EinsatzEinsatz des GegnersDein CallPot Oddsnötige Gewinnchance
10033 (ein Drittel Pot)33etwa 4 zu 119,9 Prozent
10050 (halber Pot)503 zu 125,0 Prozent
10075 (drei Viertel Pot)75etwa 2,3 zu 130,0 Prozent
100100 (voller Pot)1002 zu 133,3 Prozent

Die Werte in der Tabelle sind eigene Rechnungen nach der Formel oben. Je größer der Einsatz im Verhältnis zum Pot, desto höher muss deine Gewinnchance sein, damit ein Call sich lohnt.

Outs zählen

Outs sind die Karten, die noch im Stapel liegen und dir die gewinnende Hand geben können [1]. Nach dem Flop siehst du fünf Karten, deine zwei und die drei in der Mitte. Unbekannt sind also 47 Karten, nach dem Turn noch 46. Die Karten der Gegner und die verbrannten Karten zählst du mit zu den unbekannten, weil du sie nicht kennst.

Ein verdeckter Kartenstapel liegt auf dunkelgrünem Filz neben zwei einzelnen verdeckten Karten
Bild: KI-generiert

Typische Draws und ihre Outs

  • Flush Draw: Du hast vier Karten einer Farbe. Von den 13 Karten dieser Farbe fehlen dir noch 9, also 9 Outs.
  • Offener Straight Draw: Du hast vier Karten in Folge, etwa 8, 7, 6, 5. Jede Neun und jede Vier macht die Straße, das sind 8 Outs.
  • Gutshot: Dir fehlt eine Karte in der Mitte, etwa bei 9, 8, 6, 5 die Sieben. Davon gibt es 4 im Spiel [1].
  • Zwei Overcards: Du hältst Ass und König, auf dem Flop liegt nichts davon. Jedes der drei übrigen Asse und Könige gibt dir ein hohes Paar, zusammen 6 Outs, aber nur, wenn ein Paar dann reicht.

Outs sind nicht immer sauber. Hält der Gegner selbst Karten, die du brauchst, oder macht dir ein Out zugleich ihm eine bessere Hand, ist deine Chance kleiner als die reine Zählung sagt [1]. Ein Beispiel: Du ziehst auf eine Straße, aber zwei deiner Outs bringen eine dritte Karte einer Farbe auf das Board, mit der ein Flush des Gegners möglich wird.

Von den Outs zur Wahrscheinlichkeit

Mit einer Karte, die noch kommt, ist die Rechnung einfach: Outs geteilt durch unbekannte Karten. Mit 9 Outs und dem River als nächster Karte sind das 9 von 46, also 19,6 Prozent [1]. Vom Flop bis zum River, mit zwei Karten, rechnest du über die Gegenwahrscheinlichkeit: Die Chance, zweimal danebenzuliegen, ziehst du von 100 Prozent ab. Die folgende Tabelle enthält eigene, exakte Rechnungen.

OutsBeispielnur Turn (47 Karten)nur River (46 Karten)Flop bis River
4Gutshot8,5 Prozent8,7 Prozent16,5 Prozent
6zwei Overcards12,8 Prozent13,0 Prozent24,1 Prozent
8offener Straight Draw17,0 Prozent17,4 Prozent31,5 Prozent
9Flush Draw19,1 Prozent19,6 Prozent35,0 Prozent
12Flush Draw mit Gutshot (ohne doppelt gezählte Karten)25,5 Prozent26,1 Prozent45,0 Prozent
15Flush Draw mit offenem Straight Draw31,9 Prozent32,6 Prozent54,1 Prozent

Die Spalte "Flop bis River" gilt nur, wenn du beide Karten sicher siehst, etwa weil schon alle Chips in der Mitte liegen. Setzt der Gegner auf dem Turn noch einmal, musst du dort neu entscheiden. Für einen Call auf dem Flop zählt deshalb meist nur die Chance auf die nächste Karte.

Die Faustregel 2 und 4

Am Tisch fehlt die Zeit für Brüche. Die Regel von 2 und 4 schätzt die Chance so: Outs mal 4, wenn noch zwei Karten kommen, Outs mal 2, wenn nur noch eine kommt [1]. Beim Gutshot mit 4 Outs ergibt das 16 Prozent [1], exakt sind es 16,5. Beim Flush Draw schätzt die Regel 36 Prozent für zwei Karten und 18 Prozent für eine, exakt sind es 35,0 und 19,6 Prozent.

Bei vielen Outs überschätzt die Vier die Chance spürbar. Mit 15 Outs rechnet die Faustregel 60 Prozent, tatsächlich sind es 54,1 Prozent. Ab etwa 12 Outs ziehst du deshalb besser ein paar Prozentpunkte ab, wenn du mal 4 rechnest.

Pot Odds und Gewinnchance vergleichen

Die Entscheidung folgt aus dem Vergleich: Ist die Chance, den Draw zu treffen, besser als die Pot Odds, hat der Call einen positiven Erwartungswert [1]. Auf lange Sicht gewinnst du mit solchen Calls mehr, als du einzahlst, mit Calls zu schlechteren Odds verlierst du [1]. Eine einzelne Hand kann trotzdem verloren gehen, die Rechnung gilt für viele gleiche Situationen.

Ein Beispiel aus der englischen Wikipedia: Alice hält Kreuz Fünf und Kreuz Vier. Auf dem Board liegen nach dem Turn Kreuz Dame, Kreuz Bube, Karo Neun und Herz Sieben. Gewinnen kann sie nur mit einem der 9 übrigen Kreuz, die Chance auf dem River liegt bei 9 von 46, rund 19,6 Prozent oder etwa 4 zu 1 [1]. Ihr Gegner setzt 10, im Pot liegen danach 50. Die Pot Odds stehen bei 5 zu 1, der Call ist also günstiger als ihre Trefferchance, und sie sollte callen [1].

Für den Vergleich in Prozent: 10 Chips Call bei 50 im Pot ergeben 10 geteilt durch 60, also 16,7 Prozent nötige Gewinnchance. Alice hat 19,6 Prozent. Hätte der Gegner 40 statt 10 gesetzt, bräuchte sie 40 geteilt durch 120, also 33,3 Prozent, und der Fold wäre richtig.

Implied Odds und Reverse Implied Odds

Pot Odds betrachten nur das Geld, das schon im Pot liegt. Implied Odds rechnen auch die Einsätze dazu, die du nach einem Treffer noch zu gewinnen erwartest [1]. So kann ein Call mit zu knappen Pot Odds trotzdem sinnvoll sein. Im Beispiel der Wikipedia zahlt Alice 1 Chip, um 10 zu gewinnen, und hat 4 Outs auf 47 Karten. Ihre Chance von 8,5 Prozent entspricht 10,75 zu 1, der Pot bietet nur 10 zu 1 [1]. Rechnet sie damit, dass der Gegner nach ihrem Treffer noch einen weiteren Chip callt, liegt der erwartete Pot bei 11, und der Call wird positiv [1].

Zwei Erwachsene sitzen sich an einem grünen Filztisch gegenüber, eine Person hält nachdenklich einige Chips
Bild: KI-generiert

Reverse Implied Odds beschreiben den umgekehrten Fall: Mit einer mittelstarken Hand gewinnst du wenig, wenn du vorn liegst, und verlierst viel, wenn der Gegner besser ist [1]. Wer ein Paar hält, das sich kaum noch verbessern kann, und immer weiter gecallt wird, zahlt in den späteren Runden oft gegen eine stärkere Hand.

Implied Odds sind eine Schätzung. Wie viel ein Gegner nach deinem Treffer noch zahlt, weißt du vorher nicht. Ein Flush, der mit der dritten Karte einer Farbe auf das Board kommt, ist für alle am Tisch sichtbar, und vorsichtige Gegner zahlen dann selten noch viel.

Grenzen der Rechnung

Jede Pot-Odds-Rechnung beruht auf einer Annahme über die Hand des Gegners [1]. Hält er zwei Paare oder einen Drilling, kann er mit deinem Flush-Out zum Full House kommen, und dein Treffer verliert trotzdem [1]. Erfahrene Spieler schätzen deshalb einen ganzen Bereich möglicher Hände des Gegners ein [2].

Pot Odds helfen bei einzelnen Entscheidungen. Über das Ergebnis weniger Hände entscheiden trotzdem oft die Karten. In einer Studie mit 300 Teilnehmern spielten jeweils drei Durchschnittsspieler und drei Experten 60 Hände Texas Hold'em um Geld; am Ende hatten die Experten keinen besseren Kassenstand, entscheidend war die Kartenverteilung [3]. Die Experten verloren mit schlechten Karten allerdings weniger [3]. Wie das deutsche Recht Poker einordnet, steht unter Ist Poker Glücksspiel?.

Die Gewinnchance einer ganzen Hand gegen eine andere, nicht nur die Trefferchance eines Draws, berechnet der Poker-Odds-Rechner. Wie oft bestimmte Hände und Boards vorkommen, steht unter Wahrscheinlichkeiten beim Poker. Wann ein Einsatz mit einem Draw mehr ist als ein Call, erklärt Bluffen beim Poker im Abschnitt zum Semi-Bluff. Dieselbe Rechnung mit Gegenwahrscheinlichkeiten kommt auch bei Wahrscheinlichkeiten beim Würfeln vor.

  1. Pot odds. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Poker strategy. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Is Poker a Game of Skill or Chance? A Quasi-Experimental Study (Meyer, von Meduna, Brosowski, Hayer), Journal of Gambling Studies 29, 535 bis 550. Springer. Stand 15.08.2012. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde check-dein-spiel.de: Informationen und Beratung zu Glücksspielsucht. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.